GDL, Streik & der deutsche Michel

Wenn ich mir die Kommentare in den unterschiedlichsten Foren rund um das Thema „GDL & Streik“ durchlese, frage ich mich ernsthaft, in was für einem Land ich eigentlich lebe: Man ist ja viel gewohnt von den „Berufstrollen„, die sich den ganzen Tag den Lebensfrust von der Seele schreiben. Und man findet natürlich auch die eher zur Erheiterung beitragenden Formulierungen, wie zum Beispiel den, dass man „wegen dem Sch…ß Ossi nicht zu den Feierlichkeiten des Mauerfalls nach Berlin reisen könne“ (Der Kommentar ist nur Sinngemäß wiedergegeben, er war deutlich länger, und man kann auf Ironie-Freiheit schließen).

Doch was da sonst so abgesondert wird, ist eher beschämend, wie z.B. der hier:

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Zitat „Dark Agenda“ und dessen Vorredner „BMG Fan“
(Aus Gründen des Leistungsschutzrechtes hier nicht wiedergegeben)

Auch die Ergebnisse aus den unterschiedlichsten Umfragen (wenn auch nicht repräsentativ) sprechen eine deutliche Sprache: Weselsky sei Größenwahnsinnig, der Streik unberechtigt, und das gehe ja gar nicht. Die Medien dreschen auf Weselsky ein, und die Stimmen aus der Politik, die sich ja eigentlich gar nicht in dieses Thema involvieren dürfen, sind auch nicht gerade freundlich. Obwohl letzteres nur bedingt überrascht, den dass die SPD ihr eigenes Klientel schon länger verraten hat, ist ja kein Geheimnis (wenn man annimmt, das Klientel sei der Arbeitnehmer).

Mal abgesehen davon, das 91 Prozent der GDL Mitglieder für einen Streik sind, und es daher schon befremdlich ist, Herrn Weselsky vorzuwerfen, die Interessen seiner Mitglieder auch wahrzunehmen (Ok, das ist wirklich etwas ungewöhnlich für den deutschen Michel: Man wählt, und bekommt auch dass, was man gewählt hat), muss man sich auch mal vor Augen halten, dass hier ein Grundrecht wahrgenommen wird. Es gab Zeiten, da hatten die Lokführer dieses Grundrecht nicht, da waren Sie noch verbeamtet. Aber dann hat man Ihnen aus Kostengründen das Streikrecht gegeben, und im Gegenzug das eine oder andere Recht genommen und gewisse Ansprüche beschnitten (ohne Kostenausgleich versteht sich).

Es ist schon erstaunlich, wie unsolidarisch die Menschen in diesem Land sind, wenn es sie direkt betrifft. Streik ja, aber bitte nur so, dass es keinen stört. Und wenn man dann noch den Zuspruch für die von Angela* Andrea Nahles geplante Beschneidung des Streikrechts liest und hört, kann einem  nur noch die Kinnlade runterklappen: Da wird also ernsthaft geplant, kurz- wie auch mittelfristig das Streikrecht auszuhebeln, denn bis die Frage geklärt ist, wer denn überhaupt die „Gewerkschaftliche Zuständigkeit“ hat (und das kann ja schonmal eine Weile dauern), kann ein Streik kann richterlich untersagt werden. Und die Bevölkerung findet das gut? Wünschen sich die Leute in diesem Land Verhältnisse wie unter Maggie Thatcher?

Wieso kann man nicht mit mehreren Gewerkschaften verhandeln? „Preferred Supplier“, ich verstehe…

Ich jedenfalls stehe zu 100% hinter den Lokführern. Den dieses Land braucht starke Gewerkschaften, um dem täglichen Druck aus Politik und Wirtschaft etwas entgegen zu setzen. Auch wenn ich dafür mal eine Weile länger im Stau stehe, also sonst…

Nachtrag:

Die Argumentationschiene, dass es verwerflich sei, wenn eine Berufsgruppe eine ganze Volkswirtschaft in Geiselhaft nehmen würde und einen Millionenschaden anrichtet, finde ich übrigens Klasse (Beispielhafter Kommentar)! Gegen solche Leute muss nämlich vorgegangen werden, da stimme ich zu 100% zu. Aber was hat das mit der GDL und den Lokführern zu tun?

*: Freud’scher Vertipper
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