Der Fluch des Partial Refreshs

Bei der Architektur von Web 2.0-Applikationen gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten, die es im “alten” Web nicht gegeben hat, denn der konzeptionelle Ansatz, durch die AJAX-gestützten Abfragen nur einzelne Segmente einer Webseite zu laden (und diese Abfragen im Hintergrund durchzuführen), kann sich zu einem grundlegenden Problem entwickeln: Zum Einen leidet die Benutzbarkeit einer Applikation, denn das Verlinken der Inhalte ist nicht möglich, zum Anderen können Suchmaschinen die Seiten nicht oder nur noch teilweise indizieren.

Zum Erläuterung des Problems hier eine kleine Denksportaufgabe: Wie verlinke ich eine bestimmte Seite, z.B. die zweite Seite des XPages-Developer-Forums? Das Verlinken eines Beitrages stellt kein Problem dar, aber die zweite Seite zu verlinken ist nicht möglich.

Im “guten alten Web”, bei dem die Webseiten immer komplett geladen und die Optionen zum Großteil über URL-Parameter gesteuert werden, existiert als Nebeneffekt automatisch eine Möglichkeit, ein Bookmark zu setzen, wie z.B. hier: Domino 8.5 Forum, Seite 2, Kategorisierung eingeklappt.

Auch ist es für die Bots der Suchmaschinen viel einfacher, allen Verlinkungen innerhalb einer Webseite zu folgen, denn hinter dem Link verbirgt sich eine (neue) Seite, die es ebenfalls zu indizieren gilt.

Im Falle von XPages-Applikationen gibt es diese Möglichkeiten nicht Out-Of-The-Box. Man kann hier getrost vom “Fluch des Partial Refreshes” sprechen kann, denn so muß die Google-Spezifikation für durchsuchbare AJAX-Applikationen in die XPages händisch eingebaut werden. Und das für jeden Pager, jede Aktion, jeden Serverseitigen Link…

Um die Funktionalität der Bookmarks wieder herzustellen, kann der URL Hash “angezapft” werden; dieser muß jedoch via Javascript gesetzt bzw. ausgewertet werden. Eine Hilfe hierfür bietet der Dojo Toolkit mittels dojo.hash. Die Variante der URL Manipulation OHNE ein Neuladen der Webseite ist auch mit älteren Browsern möglich; mit HTML 5 ist die Möglichkeit geschaffen worden, die URL wirklich manipulieren zu können. Eine nette Implementierung findet sich auch unter https://github.com/balupton/history.js. Die HTML 5 – Variant e ist Serverseitig auswertbar, da sich die URL-Parameter ohne Reload der Seite setzen lassen (und im HTTP Request übertragen werden). Aber leider ist diese Funktionalität nicht in älteren Browser verfügbar.

Will man kompatibel bleiben, bleibt also nur der Weg über den URL-Hash. Im Falle eines Seitenaufrufs über ein Bookmark muß der Hash-Part der URL im Client ausgewertet werden, denn der Hash wird NICHT via HTTP Request übertragen (und damit auch nicht Serverseitig auswertbar). Erst nach dieser Auswertung können diese Informationen z.B. mit einen Partial Refresh übertragen werden.

Eine Beispiel-Implementation ist in Arbeit und wird bei Gelegenheit veröffentlicht.

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2 Antworten auf Der Fluch des Partial Refreshs

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